Bioregionale Netzwerke als Chance in der Krise

Ab-Hof-Verkauf, Online-Bestellung und Abo-Kisten werden in der Corona-Krise verstärkt nachgefragt

Foto: Klaus Schaumberg

Die Corona-Krise stellt eine große Herausforderung für alle dar, auch was die Erzeugung und den Vertrieb von Lebensmitteln angeht. Landwirte, Gastronomen, Vermarkter, Caterer müssen Wege finden, mit dieser schwierigen Situation umzugehen. Dabei entstehen oft sehr kreative Lösungen oder vermeintliche Nischenbereiche rücken stärker in den Fokus.

In Telefongesprächen mit den Akteuren vor Ort stellen die Projektleiter der Öko-Modellregion Siebenstern, Lena Meyerhöfer und Klaus Schaumberg fest, dass Direktvermarkter, Abokisten, bio-regionale Angebote im Hofverkauf stark nachgefragt werden. Das ist innerhalb des sogenannten Shutdown eine durchaus bemerkenswerte positive Entwicklung.

Heinz Wunderlich ist manchem als der Bio-Bote aus Kleinwendern ein Begriff. Der idyllisch gelegene Ort in der Nähe von Bad Alexandersbad ist das erste Archedorf Bayerns. Von hier aus versorgt Wunderlich seine Kunden im Fichtelgebirge mit biologisch erzeugten Lebensmitteln über seine Abo-Kisten. Aus Obst, Gemüse, Milch, Eier, Käse, Nudeln, Öle stellt er je nach Kundenwunsch die Bestellungen zusammen und liefert die Abo-Kisten im wöchentlichen oder vierzehntägigen Turnus direkt nach Haus. „Die Biokiste boom“ resümiert Heinz Wunderlich am Telefon. „Es kommen stetig neue Kunden aus allen Altersklassen hinzu. Auch viele junge Leute bestellen für ihre Eltern und Großeltern. Sie bekommen regelmäßig ihre gewünschten Lebensmittel in Bioqualität und müssen zum Einkaufen ihr Haus nicht verlassen.“

Drei Dörfer weiter betreibt die Familie Grillmeier in Tiefenbach einen Bio-Bauernhof mit Milchkühen und Mutterkühen unter einem Dach, was heute ein sehr selten gewordenes Betriebsmodell geworden ist. Die größere Überraschung ist allerdings der gut sortierte Hofladen mit einem umfangreichen Sortiment an Bioprodukten, nicht nur aus der eigenen Landwirtschaft. Betriebsleiter Andreas Grillmeier ist, was den aktuell steigenden Umsatz und die Nachfrage von neuen Kunden angeht, sehr zufrieden: „Der Einkauf im Hofladen erfolgt zwar nicht ganz kontaktfrei, aber sollten mehrere Kunden gleichzeitig kommen, so kann man sich die Zeit problemlos mit dem Beobachten der Rinder auf der Weide vertreiben.“ So kann man in Corona-Zeiten den Shutdown mit einem Slowdown ansatzweise kompensieren.

In Marktleuthen bietet Bio-Bauer Andreas Ritter dagegen garantiert kontaktfreies Einkaufen direkt ab Hof an. Neben Masthähnchen, die nur auf Bestellung zu haben sind, bietet er Kartoffeln, Eier und bald auch Nudeln in seiner kleinen Verkaufskammer zum mitnehmen an. Das Geschäft erfolgt auf Vertrauensbasis. Die Preise sind ausgewiesen und die Kunden werfen das entsprechende Geld in eine Kasse. Wer nicht zu viel Trinkgeld investieren möchte, sollte sein Geld passend parat haben. Obwohl ein zusätzliches Entgelt allein für die schöne Landschaftskulisse angebracht wäre: die Eger schlängelt sich direkt am Hof entlang und die Hühner haben großzügig Auslauf in eine extra für sie angepflanzte Obstwiese. Nebenbei ist der Biohof Ritter einer von hundert Bauernhöfen in Bayern, die das BioRegio-Betriebsnetz bilden. Zusammen mit seinen Kollegen ist Andreas Ritter von der staatlichen Landesanstalt für Landwirtschaft beauftragt, an einer Betriebsumstellung interessierte Landwirte mit dem Erfahrungswissen eines Praktikers über die Chancen und Herausforderungen des Öko-Landbaus zu informieren und fachlich zu begleiten. Auch der „BioRitter“ verzeichnet eine deutlich gestiegene Nachfrage der Kunden bei sich am Hof. Über die Motivation der Kundschaft kann er logischerweise keine verlässliche Auskunft geben, da es momentan kaum zu einem Kundenkontakt kommt.

Die wenigen Beispiele zeigen, dass in der derzeitigen Corona-Krise bioregionale Produkte bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern verstärkt nachgefragt werden. Es stellen sich zukünftig nicht nur für die Öko-Modellregion Siebenstern die Frage was bioregionale Versorgung leisten kann und soll. Klar ist allerdings jetzt schon, dass ein starkes Netzwerk mit möglichst vollständigen Wertschöpfungsketten aus ökologischen Erzeugern, Verarbeitern, Vermarktern und vor allem verantwortungsvollen Konsumenten der Schlüssel für eine nachhaltige und gesicherte Versorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln aus der Region sein wird. Genau das ist da Ziel der Öko-Modellregion Siebenstern für das Fichtelgebirge.

Foto: Klaus Schaumberg

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